Rückblick auf den 15. Bürger-Patienten-Treff am 9. 9. 2010

Zum erstenmal trat der Bürger-Patienten-Treff in der Waldorfschule zusammen. Diesmal standen Gespräche über die Qualitäten, die ein menschliches Gesundheitswesen haben sollte im Vordergrund. In verschiedenen Settings wurden die Fragen erörtert, und es entstand eine sehr lebendige und aktive Kommunikation. Dies ist vielleicht das wichtigste Ergebnis, das wir über diese Themen intensiv kommunizieren, und selber Vorstellungen entwickeln, wie es sein sollte. Dabei stößt man allerdings auch unweigerlich auf Hindernisse, festgefahrene Denkgewohnheiten und Ängste. Da werden wir noch viele Erfahrungen sammeln müssen und viel präziser und genauer auf die Hemmnisse auch in uns selber schauen müssen, bevor wir weitere Schritte auf ein solidarisches Gesundheitssystem in eigener Verantwortung zu machen können.

In diesem Sinne fügt es sich hervorragend, dass wir im Oktober als Bürger-Patienten-Treff die Informationsveranstaltung Solidargemeinschaft SAMARITA besuchen können. Dort werden wir einiges von unseren Fragestellungen wiederfinden und von den Erfahrungen der Menschen hören, die sich zu einer selbstgestalteten GEsundheitsversorgung zusammengetan haben.    


Rückblick auf den 14. Bürger-Patienten-Treff

Unter freiem Himmel auf Klappstühlen im Kreis sitzend haben wir uns über folgende Fragen unterhalten:


Was haben wir in den letzten Monaten mit dem Schulterschluss erlebt?

Was wollen wir weiterhin bewirken

Was ist unser Anliegen?


Klar, das regte dazu an noch viel mehr Fragen zu stellen:


·         Wollen wir versuchen Korrekturen an diesem System zu erreichen oder uns lieber für ein anderes System einsetzen?

·         Wie könnte ein anderes System aussehen?

·         Wie müsste ein auf Langfristigkeit ausgelegtes System aussehen?

·         Wie können wir unsere Macht über das Gesundheitssystem oder Teile davon wiedererlangen?

·         Wie können wir uns von dem bestehenden System unabhängig machen?


Insgesamt also ein sehr kritischer Blick auf alle Initiativen oder Vorhaben, die im Rahmen der Politik auftauchen, weil sie eben nur kleine Korrekturen am bestehenden vornehmen, und das ohne Aussicht auf nennenswerte Erfolge.

Wir haben festgestellt, bei vielen Menschen fehlt die Kraft und die Zeit sich zu engagieren, häufig trifft man auf Resignation. Es reden viele und finden es gut, wenn man sich engagiert und etwas versucht, aber selber machen will keiner.

Auf der anderen Seite wurde auch deutlich, dass wir als Schulterschluss uns zu den aktuellen Entwicklungen, die in naher Zukunft noch mehr Brisanz und auch wieder mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Ärzte bekommen wird, äußern  müssen. Auch wenn die Ärzte nun doch aktiv werden gegen die E-Card, wollen wir sie darin unterstützen und wieder mit unseren Buchstaben auf die Straße gehen.

Es besteht der Wunsch, mit anderen Schulterschluss-Gruppen Kontakt aufzunehmen und heraus zu finden was die so umtreibt.

Sabine Petersen hat über Transition Town erzählt, die Bewegung , die aufgrund der drohenden Erdölverknappung mit viel Kommunikation und Kreativität versucht als eine Basisbewegung die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Dabei wird vor allem die weitestgehende Regionalisierung fast aller Produktionsbereiche  angestrebt, wobei regionales Wirtschaften auch mit eigenen Währungen ein Mittel ist, dieses Ziel zu erreichen. Dabei kann auch eine Regionalisierung des Gesundheitswesens eine Rolle spielen.  Es macht für uns sicher Sinn, mit der Transition Town Bewegung zu kooperieren. Für den 8. Oktober ist ein Treffen der SAMARITA in Kiel geplant um die Erfahrungen mit einem subsidiär geregelten Gesundheitssicherungssystem kennen zu lernen.

Frank Beermann hat uns noch darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit dem Offenen Kanal Kiel ein Medium nutzen sollten um die Anliegen des Schulterschluss zu verbreiten.

Die Versammlung wurde beschlossen mit dem Wunsch, dass wir im September  uns erste Gedanken machen wollen über  „ein anderes System“  und obendrein doch auch die aktuellen Themenbearbeiten.

 

Beske-Forum 18. 6. 2010 Hotel Steigenberger, Kiel

Das Fritz Beske Institut und die Herrman Ehlers Akademie hatten zur Podiumsdiskussion geladen: Hochrangige Persönlichkeiten aus dem Gesundheitssystem (Politik und Vertreter der dt. Krankenhausgesellschaft, der Krankenkassen, des G-BA und der Kassenärztlichen Vereinigung), d.h. eine breite Repräsentanz der Funktionsträger. Im Publikum waren auch geladen Angehörige der Gesundheitsberufe und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Es war uns versprochen worden, dass nach der ersten Gesprächsrunde das Auditorium in die Diskussion einbezogen würde.

Herr Prof. Beske begrüßte die Anwesenden in seiner freundlichen Art und dann konnten die auf dem Podium Sitzenden recht geräumig ihre Stellungnahmen zu dem Thema Finanzierung und Gestaltung des Gesundheitssystems bis zum  Jahre 2050 mit den  prognostizierten demographisch gewandelten Problemen abgeben. Die zweite viel interessantere Fragestellung der Regionalisierung und Dezentralisierung wurde dabei allerdings leider von den Podiumsgästen nur gestreift.

Nachdem nun gut 1 ¾ Stunden das zu hören war, was man immer hört, wurde denn tatsächlich auch dem Publikum die Möglichkeit gegeben sich zu äußern, wobei dann vom Podium keine wirklichen Antworten gegeben wurden. Äußerte jemand deutliche Kritik,  hieß es, dass man die Fakten nicht ausreichend kenne und wurde damit als nicht ausreichend kompetent eingestuft.  Leider hatte man bei diesem Setting ohne unhöflich den gesitteten Gang der sog.  Diskussion zu unterbrechen oder zu stören, keine Chance seine Äußerungen zu ergänzen oder zu erweitern, damit die eigenen Aussagen nicht kurzerhand vom Tisch gewischt wurde. So behielten  die Teilnehmer auf dem Podium  immer und grundsätzlich zu jedem Thema das erste und das letzte Wort. Aus der Psychologie kennen wir zwei Effekte: Primacy- und  Recency-Effekt: die erste und letzte Information wird besonders deutlich wahrgenommen. Die Leute auf dem Podium können ihre ersten wohlvorbereiteten Statements in aller epischen Länge ausbreiten und haben dabei alle Zeit sich warm zu reden, d.h. sie können ihren Einstieg mit Zeit und Sicherheit vortragen, und das kann die Wahrnehmung der Zuhörer nachhaltig beeinflussen. Die Leute aus dem Publikum müssen auf den Punkt mit einem Anliegen, einer Frage oder einer Bemerkung  rüberkommen.  Im weiteren Verlauf hat man keine Chance das, was auf dem Podium daraus gemacht wird positiv zu einem Ende zu bringen. Die Aussagen von „Oben“ sind nicht mehr korrigierbar, d.h. der Recency-Effekt kann von Oben nach Wunsch beeinflusst werden. So kann man jeden Kommentar aus dem Publikum nach Wunsch heben oder fallen lassen.

Viel genauer versteht man die Abläufe einer solchen Veranstaltung, wenn man den weiteren Verlauf ins Auge fasst. Das gemeine Volk wird freundlich verabschiedet, dann trifft man sich in geladener Runde zu Prosecco, Bisonbraten und Wein. Ja wer trifft sich da? Vertreter der Pharmaindustrie, Kammervorsitzende, Krankenhausmanager, Kassenfürsten etc. Funktionäre und Lobbyisten, fröhlich beieinander über Fußball und Weinkorken parlierend. Hier werden die eigentlichen Entscheidungen getroffen, hier knüpft man seine Beziehungen, hier darf man, wenn man sich wohl verhält und nicht unangenehm auffällt seinen Weg in die Funktionärs-Hierarchie antreten.

Wie viele aus dem Publikum waren eigentlich normale Leute, Ärzte, Pflegekräfte, Patienten und interessierte Bürger, vielleicht 10-20. Der Rest kennt sich, gehört zum „Club“ oder bemüht sich artig darum dazu zugehören.

Ganz persönlich im Gespräch danach gefragt, ob man denn Hoffnung sehe, die alleinige Vormachtstellung der Wirtschaftsinteressen zu brechen, sagte einer der Herren: Erst, wenn das System an die Wand gefahren ist.

Diese Leute auf dem Podium und all die geladenen Gäste haben nur ein Interesse daran den Status quo so lange wie möglich zu erhalten, sonst nichts, denn so geht es ihnen bestens.

Meine ganz persönliche Quintessenz: Wir können nur von unten dafür sorgen, dass etwas besser wird, von oben wird es keine positiven Impulse geben.

Sabine Petersen


13. Bürger-Patienten-Treff mit Dr. Wolfgang Wodarg

Sehr versiert und tiefgründig erzählte Dr. Wodarg über die Vorgänge im Gesundheitssystem. Aus der Fülle der verschiedenen Themen hier einige als Beispiel:

Das relativ solidarisch organisierte Gesundheitssystem stellt eine echte Kulturerrungenschaft dar, denn 80% der Bevölkerung wünschen sich ein solches System. In den meisten anderen Ländern bedeutet Krankheit, dass man arm wird. Diese Kulturerrungenschaft wird nun gerade zerstört.

1992 sind die Solidargemeinschaften in den Wettbewerb geschickt worden, d.h. dass sie möglichst hohe Einnahmen und geringe Ausgaben haben sollten.  In jeder Bevölkerung haben wir auf 10.000 Versicherte ca. 300 sehr kranke Menschen, die werden heute gerne vergrault, anstatt ihnen zu helfen. Heutzutage werden viel zu viele Menschen in Kliniken behandelt, was bei einer gut strukturierten und besseren ambulanten Versorgung nicht nötig wäre. Da gäbe es gewiss noch Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz.

Eigentlich sollte es darum gehen, mit sowenig Geld wie möglich die Leute so gesund wie möglich zu halten. Die Krankenkassen müssten eigentlich ein Interesse daran haben die Leute gesund zu erhalten. Darauf müsste sich eine umfassende Gesundheitspflege gründen.

Allerdings verfolgen die Krankenkassen einen anderen Weg. Sie bauen hohe Hürden auf für chronisch Kranke, um diese loszuwerden und wirbt um junge gut gebildete Leute. Wer ist eigentlich verantwortlich für das ganze System? Es gibt keinen.

Man könnte sich ein kommunalisiertes Gesundheitssystem vorstellen, mit Budgets für die einzelnen Regionen. Dann könnte in den Regionen die Fragen geklärt werden: Welche Probleme haben wir? Was regeln wir wie? Es könnte Gemeindestationen für z.B. je 10.000 einwohner geben, und dort arbeiten Ärzte und Pflegekräfte wie in Krankenhäusern zusammen. Das könnte eine regionale Basisversorgung gewährleisten.

Dann lieferte Herr Wodarg noch einige Fakten:

Die Pharma-Industrie bringt derzeit maximal 4 wirklich neue Produkte pro Jahr auf den Markt.

Pro Monat kauft die Rhön Klinik AG eine Regionalklinik.

5 große weltweite Konzerne bestimmen im Grunde, was weltweit als Nahrungsmittel angebaut wird.

Hier haben wir 4 Energie-Konzerne.

Jetzt laufen wir auf 4 Gesundheitskonzerne zu.


An die Ausführungen von Herrn Wodarg schloss sich eine sehr lebhafte Diskussion an.



2. Demo auf dem Asmus-Bremer-Platz
auch am 5. 6. waren wieder 19 aktive am Start, diesmal mit schönen neuen kleinen Info-Flyern und Herrn Siegfried Lauinger, Arzt, als Gastredner. Hier haben wir viel mehr interessierte Zuhörer erreicht und konnten mehr Infomaterial verteilen.
1. Demo auf dem Bahnofsvorplatz (29. Mai 2010)
19 aktive Teilnehmer in weißen Anzügen mit Krankheitsschildern und Buchstabenplakaten machten den Protest gegen die eCard sichtbar. Es hat Spaß gemacht und wir haben einiges gelernt, was wir am kommenden Samstag besser machen können. Auch demonstrieren kann man lernen! Nächste Woche gibt es auch schöne Flyer zum verteilen.


12. Bürger-Patienten -Treff

           Elektronische Gesundheitskarte - Nein Danke!

Sehr interessant sind die Aussagen Daniel Bahrs (derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium, FDP) vor der Bundestagswahl. Wir können Bahr nur dankbar sein, dass er uns bereits vor gut einem Jahr hingewiesen hat, worauf wir bei der zukünftigen Politik bezüglich der eGK achten müssen:              Bahr am 19. 3. 2009

"...Studien haben aber gezeigt, dass sich das gesamte Projekt um die elektronische Gesundheitskarte erst dann rechnet, wenn diese freiwilligen Zusatzanwendungen auch genutzt werden.

Also: Sinn macht das alles nur, wenn die Möglichkeiten der Karte voll ausgeschöpft werden.

"…Schon häufig konnte man in anderen Bereichen erleben, wie hohe Datenschutzstandards aufgeweicht wurden. Freiwillige Anwendungen können schnell zu Pflichtanwendungen werden, wenn damit in einem finanziell stets auf Kante genähten Gesundheitssystem Kosten eingespart werden sollen.

Also: Wenn eine Karte mit „freiwilligen“Möglichkeiten eingeführt wird, werden die bald zur Pflichtanwendung.

Komisch, jetzt will die FDP genau das machen, wovor sie uns vor 13 Monaten so eindringlich gewarnt hat. Mit diesen Argumenten warb sie für einen Stopp der eGK. Wenn man von der Oppositionsbank auf die Regierungsbank wechselt, scheint sich dabei die Perspektive sehr drastisch zu verändern.

 Gesundheitsminister Rösler (FDP): "Wir gehen den Aufbau der Telematikinfrastruktur schrittweise an und beginnen mit einer erweiterten und datenschutzrechtlich sichereren Krankenversichertenkarte.“

Also: Die elektronische Gesundheitskarte ist beschlossene Sache. Allerdings zunächst nur auf freiwilliger Basis und in abgespeckter Version. Aha, das ist genau der Fall, den Bahr beschrieb. Wir wissen Bescheid.

Daher war der Rest des Abends den Überlegungen gewidmet, wie man in Kiel eine E-Card freie Zone einrichten kann. In Gesprächen in kleinen Gruppen und gemeinsamer Diskussion wurden einige Ideen entwickelt, wie wir unsere Ziele publik machen können und im Schulterschluss mit den Ärzten in Aktion gegen die E-Card treten können.

Hier die Powerpoint-Präsentation des Abends als PDF


11. Bürger-Patienten-Treff

Rückblick auf den Vortrag von Henning Kutzbach, Barmer GEK am 11. März 2010

Die gesetzlichen Krankenkassen: Sachwalter und Anwalt des Patienten in unserem Gesundheitswesen?“

Herr Kutzbach berichtete über den Zusammenschluss der Barmer Ersatzkrankenkasse mit der GEK zum 1.1.2010 und über die Gremien und deren Strukturen. Die neue Strategie der Krankenkasse lautet: Prävention und Innovation.

Die Patientenbeteiligung im Gesundheitswesen, die von Herrn Kutzbach an vielen Stellen anklang, bot reichlich Diskussionsgelegenheit. Patientenvertreter sind teilweise ohne Stimmrecht (z.B. im Gemeinsamen Bundesausschuss) oder rekrutieren sich über Patientenorganisationen, die in gewisser Abhängigkeit stehen,  und somit nicht wirklich patientenorientiert tätig sein können.

Die Sozialwahl, die alle sechs Jahre stattfindet, soll eine demokratische Kontrolle der geschäftsführenden Vorstände der Krankenkassen ermöglichen. Die Versicherten können so an der Gestaltung der Geschäftspolitik  ihrer Krankenkasse mitwirken. Da aber gesetzliche Regelungen nur wenig Freiraum zulassen, wird die Bedeutung der Sozialwahl unterschiedlich eingeschätzt, zudem ist sie von sehr geringer Wahlbeteiligung geprägt. Oft kann nur eine Vorschlagsliste mit Kandidaten gefüllt werden, so dass die vorgeschlagenen Kandidaten ohne Wahlhandlung als gewählt gelten ( Friedenswahl ).  Diese Listenwahl ( im allgemeinen überwiegend mit Gewerkschaftern besetzt ) beeinträchtigt in erheblichem Maße die Rechenschaftspflicht der Mandatsträger gegenüber der Versichertengemeinschaft.

Dennoch bietet das Engagement in den Aufsichtsräten der Krankenkassen derzeit für die Patienten die einzige Möglichkeit, überhaupt Einfluss geltend zu machen. Von daher sind von Schulterschluss möglichst viele Kandidaten für die kommenden Sozialwahlen in 2011 aufzustellen.

Einen breiten Rahmen nahm auch die Diskussion ein, wie sinnvoll die verschiedenen Krankenkassen heute sind, die ja mehr oder weniger ähnliche Leistungen anbieten. Der mehrfach angesprochene Vorteil einer Einheitskrankenkasse wurde von Herrn Kutzbach so nicht gesehen.  Er erachtete den Wettbewerb der Krankenkassen untereinander als für den Versicherten vorteilhafter.

Der Zusatzbeitrag von 8 €, den einige Krankenkassen bereits von Ihren Mitgliedern verlangen, wird bei der Barmer GEK noch nicht erhoben, ist aber politisch gewollt, bevor der von der Politik bewusst unterfinanzierte Gesundheitsfond aufgestockt wird. Hier macht sich bereits nach einem Jahr Gesundheitsfond der gravierende Nachteil der finanziellen Abhängigkeit des Beitragsaufkommens der GKV von der Politik bemerkbar.

Als für das Vertragswesen der BEK / GEK mit den Leistungsanbietern verantwortlicher Verhandlungsführer in den norddeutschen Bundesländern stellte Herr Kutzbach im Hinblick auf Verhandlungen mit den Krankenhäusern keine gravierenden Unterschiede zwischen kommunalen und privaten Betreibern fest, wenngleich die Gesprächspartner der Klinikkonzerne sehr viel professioneller zu Werke gehen.

Die Problematik der „blutigen Entlassungen“ infolge der politisch gewollten Krankenbettenverknappung und der DRG-Pauschal-Vergütungen für Krankenhausleistungen ist den Krankenkassen bewusst und soll künftig durch „Nachsorge-Verträge“ mit ambulanten Leistungsanbietern abgemildert werden.

Viele sehr interessante Fragen wurden noch an den Referenten herangetragen, die sowohl verschiedene Blickrichtungen erkennen ließen, als auch großen Aufklärungsbedarf zeigten.

Alles in allem bot der Bürger-Patienten-Treff wieder einmal mehr Einblick in die Komplexität unseres Gesundheitswesens: die Dienstleistung der Krankenkassen für den Patienten, die dieser immerhin mit über 5% des Beitragsaufkommens honoriert, gehen weit über das „Einsammeln von Beiträgen“ hinaus und sind unter anderem geprägt von

-          Vertragsverhandlungen mit den Leistungsanbietern, die ( mehr oder weniger erfolgreich ) Qualitätsstandards festschreiben,

-          kostenbewusstem Umgehen mit den Versichertengeldern und

-          Leistungskontrolle bei den Abrechnungen der Leistungsanbieter.

Dennoch gibt es auch bei den Krankenkassen aus Sicht der Versicherten noch vieles zu bessern.......!!!


10. Bürger-Patienten-Treff

Kliniken im Angebot - Der Privatisierungs-Fluch
Was verändert sich, wenn Kliniken von privaten Investoren betrieben werden...
Was bedeutet Privatisierung für finanzschwache Kommunen...
Wie ist der Stand der Privatisierung in Schleswig-Holstein...

Trotz Eis und Schnee trafen sich viele Bürger-Patienten um sich über die derzeitige Privatisierungswelle im deutschen Gesundheitsmarkt zu informieren. Allgemein herrschte ungläubiges Staunen darüber, wieviele Kliniken in Schleswig-Holstein bereits privatisiert sind, bzw. unter einem externen Management geführt werden. Die bange Frage steht im Raum wie man verhindern kann, dass einige wenige Klinik-Konzerne sich den Markt aufteilen und dann Preise und sämtliche Bedingungen diktieren können.
Hier die PowerPoint Präsentation als PDF

9. Bürger-Patienten-Treff
Patienten-Organisationen - Wer vertritt wirklich die Anliegen der Versicherten und Patienten?

Vom den Patienten-Ombudsleuten über die Verbraucherzentralen bis zur "WeißenListe" von Bertelsmann...
Ehrenamtliche Helfer vorort unterstützen mit Engagement einzelne Patienten, aber wer vertritt uns wirklich politisch?
Gibt es jemanden der nicht um Projektmittel bangt, der offensiv und ohne Abhängigkeiten die Position der Versicherten und Patienten vertreten kann?
Eigentlich nicht! Wir haben den Eindruck, dass nur der bundesweite Verein "Bürger-Schulterschluss e.V. " diese Voraussetzungen hat.

Hier die PowerPoint-Präsentation als PDF

Wunschpunsch beim 8. Bürger-Patienten-Treff im Dezember
32 Aktive versammelten sich um ihren Wunschzettel an die Politiker zu schreiben.
Aber zunächst fasste Sabine Petersen die bisherigen Aktivitäten der Initiative Schulterschluss-Kiel zusammen. Dabei wurde intensiv über das zukünftige Vorgehen diskutiert. Manche wünschen sich eine viel radikalere Betrachtung der bestehenden Verhältnisse, da man den Eindruck haben kann, dass das gesamte System (nicht nur das Gesundheitssystem ist hier gemeint) am Ende sei, und man sich auf ganz neue Gedanken und Verhältnisse einlassen müsste, und die auch quasi denken lernen müsste.
Andere legen mehr Wert darauf, dass das bestehende System modifiziert, verwandelt, verbessert werden muss. Für beide Ansichten gab es ein reges Für und Wider.
Vielleicht ist es sinnvoll beide Wege parallel zu beschreiten. Es ist jedoch eine Frage der Kapazität und des Einsatzes. Der Bürger-Patienten-Treff (BPT) wird wohl zunächst ein Forum für Information und Austausch über das Gesundheitssystem bleiben. Der Schulterschluss mit möglichst vielen Menschen, Patienten, Versicherten, Ärzten, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Therapeuten ist weiterhin die oberste Leitlinie. Aber neben dem BPT könnte sich eine andere Gruppe zusammenfinden, die sich mit ganz grundlegenden Veränderungen befasst. Das ist sicherlich auch notwendig. Wir können gespannt sein, ob jemand die Initiative ergreift.  

Anschliessend wurde der Wunschzettel geschrieben. Sie können unseren Wunschzettel als PDF ausdrucken und ihn ebenfalls an entsprechende Minister oder Abgeordnete schicken.
Hier die PowerPoint-Präsentation als PDF

Wunschzettel zum Ausdrucken


Herr Professor Beske beim 7. Bürger Patienten-Treff am 12. November

Ein Nachklang von Sabine Petersen

Herr Beske stellte die fünf Grundbedingungen für ein gutes Gesundheitssystem dar: 

1.       1. Krankheit darf für niemanden zur finanziellen Katastrophe führen                                                                                                                  2. Alter darf nicht zum Leistungsausschluss führen                                                                                                                                                3. Gewährung relativ wohnortnaher Versorgung                                                                                                                                                          4. Freie Arztwahl                                                                                                                                                                                                                 5. Medizinischer Fortschritt für alle


                                                                                                                                               

Der demographische Wandel im Zusammenhang mit dem enormen medizinischen Fortschritt erfordert Priorisierung und Rationierung des Leistungskataloges der GKV. So knapp und überzeugend auf den Nenner gebracht, wirken die Ausführungen von Herrn Beske schockierend.

Wie gehen wir Versicherte und Patienten damit um? Es bleibt nur dann ein schwer verdaulicher Brocken, wenn man sich das Ganze unter heutigen Bedingungen vorstellt: Finanzkräftige Konzern-Lobby-Gruppen handeln sämtliche Entscheidungen unter sich aus, einseitige Ausrichtung der medizinischen Welt auf „Lebenretten“ und Vernachlässigung von „Lebensqualität trotz Krankheit“, Ausschluss von Patienten und Versicherten an allen Entscheidungsprozessen.

Alles wird möglich, wenn wir, d.h. Versicherte und Patienten teilnehmen an den dafür nötigen Diskussionen, wenn wir durch Verständnis und Gespräch in einem offenen und transparenten Prozess zu  Entscheidungen  für oder gegen bestimmte medizinische Leistungen kommen.  Das war die Stimmung der  100 Teilnehmer nach der lebhaften Diskussion. Aber sowohl Prof. Beske als auch die Teilnehmer beklagten, dass genau diese öffentliche Diskussion nicht existiert, ja, eigentlich wird alles getan, um sie zu vermeiden. Stattdessen werden uns Heilsversprechungen und neoliberale Privatisierungs- und Effizienzsteigerungs-Phantasien vorgegaukelt, womit die GKV stabilisiert werden könne. Immer wieder wird über unsere Köpfe hinweg entschieden. Mit unserem Kreuzchen am 27. September scheinen die Politiker nun zu wissen was wir wollen und brauchen uns nun nicht mehr zu fragen.

Das wollen wir aber ändern!!!

Wir sind die Versicherten und Patienten, denen dieses System dienen soll. Wir versuchen nun seit Monaten dieses Gesundheitssystem zu durchschauen, wir sind engagierte Bürger. Ein Volksvertreter müsste eigentlich ein Interesse daran haben, mit uns in einen offenen Dialog zu treten.  Daher sollten wir in absehbarer Zeit unseren neuen Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Herrn Dr. Heiner Garg einladen.  

Herr Beske hat uns gerade für derartige Aktionen nachdrücklich den Rücken gestärkt und aufgefordert, nicht nachzulassen in einen offenen Dialog mit allen Verantwortlichen zu treten. Es kommt auf jede freie Individualität an, die jetzt zum Handeln bereit sein will.

Herzlichen Dank, Herr Professor Beske, für diesen Abend voller Fakten, geschichtlicher und politischer Überblicke, Einblicke und Weitblicke. 



6. Bürger-Patienten-Treff am 8. Oktober
Carsten von Wieding stellte einige Probleme bezüglich der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) da, und das diente vielen der 55 Teilnehmer sehr kritisch und kämpferisch nach zu fragen. Es zeigte sich  deutlich, dass 1. die Sorgen groß sind, 2. wir als Schulterschluss-Kiel schon richtig pfeffrig fragen können. Es kam viel Pepp aber auch Sachverstand aus den Reihen der Teilnehmer.

5. Bürger-Patienten-Treff am 10. September
Im gut gefüllten Saal im Restaurant Seeburg hielt der Apotheker Dr. Uwe Schersch zu dem Thema „Medikamente, Pharma-Industrie, Rabattverträge“ einen Vortrag und versetzte nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte und selbst Apotheker in ungläubiges Staunen, denn, wenn wir Patienten unsere bewährten Medikamente besorgen wollen, werden wir seit dem 1. April 2007 – spätestens aber seit dem 01.06.09 mit dem Inkrafttreten neuer Rabattverträge der AOK - in der Apotheke auf den Boden der neuesten Tatsachen gestellt. Wir bekommen die gewohnten und bewährten Medikamente sehr oft nicht mehr, es sei denn, wir leisten erhöhte Zuzahlungen oder übernehmen sogar die Gesamtkosten. Die Rabattverträge, welche die Krankenkassen mit den verschiedenen Pharmafirmen ausgehandelt haben, bestimmen, welches Medikament für uns „passend“ ist. Dies wurde den Krankenkassen vom Gesetzgeber ermöglicht, um Kosten zu sparen, und das ist in manchen Fällen auch sicherlich sinnvoll. Aber wenn sich Patienten auf Medikamente einstellen müssen, die sie nicht vertragen, wird dann wirklich gespart? Ärzte sollen nur noch den Wirkstoff auf dem Rezept vermerken oder den Austausch des verordneten Präparates gegen ein wirkstoffgleiches Arzneimittel durch den Apotheker gestatten. In der Apotheke „wirft“ dann der Computer– je nach Krankenkasse – das für den Austausch vorgeschriebene Medikament des Krankenkassen-Rabattpartners aus. Jede der über 200 Krankenkassen hat „eigene“ Rabatt-Medikamente. Das erfordert in den Apotheken eine enorme Lagerhaltung, schnelle Disposition, großen bürokratischen Aufwand, ständig neue Software und leistungsstärkere Computer, ohne die heute keine Apotheke mehr ein verschreibungspflichtiges Medikament für einen Kassenpatienten auswählen und abgeben kann.
Gleiches gilt für Hilfsmittel ( z.B. Inkontinenzprodukte ), die nach dem Motto: praktisch, zweckmäßig, preiswert für die Krankenkassen, wenn auch manchmal ungeeignet für Patienten, ausgehandelt wurden. Und die wohnortnahe Bedarfs-gerechte Rundumversorgung der Patienten wird auf diese Weise gefährdet.
Werden damit längerfristig wirklich Kosten gespart?
Auch zu diesem Thema gab es anschließend viele Diskussionsbeiträge.



Vortrag von Renate Hartwig am 3. September 2009 in Kiel

Es waren keine Phantasy-Geschichten, die wir von Renate Hartwig hörten – leider. Es ist Realität in unserem Land!
Wer noch nicht sensibilisiert war, wurde es auf jeden Fall durch den Vortrag, denn der Ausverkauf unseres sehr guten und am Patienten orientierten Gesundheitssystems hat längst begonnen, dank Politiker und Lobbyisten, der Kassenärztlichen Vereinigung und der gesetzlichen Krankenkassen, die bei dem Gesundheitsmilliardenspiel mit zweifelhaften Tricks aufwarten. Der Ausverkauf an private Kapitalinvestoren, die Arztpraxen und Kliniken zu Dumpingpreisen aufkaufen, ist voll im Gang. Den Einstieg amerikanischer Gesundheitskonzerne – die gerade den amerikanischen Präsidenten dank millionenschwerer Publicity daran hindern, ein soziales Krankenversicherungssystem zu etablieren – ebnet vor allem unsere Gesundheitsministerin mit ihren Fürsprechern den Weg. Und all das geschieht hinter unserem Rücken. Renate Hartwig berichtete über die jüngsten Recherchen, die noch Schlimmeres ahnen lassen: Es werde gemauschelt, betrogen, gelogen, extrem viel Geld hinterzogen, die Bevölkerung für dumm verkauft unter dem Deckmäntelchen höherer "standardisierter Qualität", bei der jegliche Ethik und Menschlichkeit auf der Strecke blieben.
Renate Hartwig hat unsere Courage gestärkt, weiterhin für ein menschliches und transparentes Gesundheitssystem zu kämpfen. Vielen Dank für die weite Reise nach Kiel.

Podiums-Diskussion im Rathaus Eutin am 30. August
Zukunft des Gesundheitssystems

4. Bürger-Patienten-Treff am 13. August
Mitten in den Ferien trafen sich knapp 40 Interessierte um über die Programme und Vorstellungen der verschiedenen Parteien zum Gesundeheitssystem zu debattieren. In kurzen Referaten wurden die jeweiligen Programme der SPD, CDU,FDP, Grünen, Linke, und Violetten vorgestellt und anschießend diskutiert.
Gesamteindruck: Schwierig, alle versprechen flächendeckende Rundum-Versorgung, vermischt mit einzelnen Details zu einer möglichen Realisierung. Es gibt wenig konkrete Angaben wie mehr Transparenz und öffentliche Diskussion gefördert werden kann.
Quintessenz: Die derzeitige Partei-Politik scheint wenig hilfreich zu sein in der Bewältigung anstehender Probleme. Können partei-freie Abgeordnete mehr bewirken?
Hier die PowerPoint-Präsentation mit unseren Forderungen als PDF

3. Bürger-Patienten-Treff am 9. Juli

zusammengefasst von Karin Meyer
Schon zum dritten Mal haben sich gestern, Donnerstag, 9.7. knapp 60 Menschen im Restaurant Seeburg an der Kiellinie zum Schulterschluss versammelt.

Eingeleitet wurde der Abend mit einem Referat von
Herrn Dr. Svante Gehring, einem jungen, sehr sympathischen internistischen Kassenarzt aus Norderstedt.

Noch 2004 hatte Deutschland ein sehr gutes ambulantes Gesundheitsversorgungssystem und stand nach OECD-Bericht im Vergleich von 39 Staaten an vorletzter Stelle mit der Höhe der Ausgaben.
Trotzdem wurde das 2004 beschlossene Gesundheits-Modernisierungsgesetz mit den unbezahlbaren Kosten begründet.
2007 folgte das Wettbewerbsstärkungsgesetz.

Reformfolgen:
zentralistischer: Berlin entscheidet über uns in S-H.
bürokratischer: DMP (Disease Management Programme), QM (Qualitätsmanagemant), Gesundheitsfonds usw.
marktwirtschaftlicher: Pseudowirtschaftlicher, d.h. der „David“ einzelner Arzt wird gefesselt und geknebelt und dem „Goliath“ Krankenhauskapitalgesellschaften zum „Wettbewerb“ vorgeworfen.
monopolistischer: Großklinikkonzerne übernehmen Artpraxen
teurer: Erhöhung der Beiträge, Zuzahlungen, Praxisgebühr

Bis 2020 werden 15.000 Ärzte fehlen. ¼ der Bürger wird dann nicht mehr versorgt sein. Auf dem Land noch viel drastischer als in der Stadt. Unter den derzeitigen Umständen will keiner sich mehr niederlassen. Und die es versuchen wollen, erhalten keine Kredite mehr von den Banken. „Was, Herr Dr., Sie wollen nur von dem leben, was Sie von der GKV kriegen? Tun Sie erstmal noch andere Quellen auf, wo Sie Geld herkriegen: Igel-Leistungen, Privatpatienten, sonst kriegen Sie von uns keinen Praxis-Gründungskredit“
Insgesamt ein sehr lebendiger Abend, mit dem Protest-Song, einem "Ulla-Rap" und vielen interessanten Gedanken.

Gesundheitsforum: Gesundheitspolitik vor und nach der Bundestagswahl am
19. Juni
Prof. Fritz Beske (Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel) moderierte brillant und eröffnete die Diskussion mit der Frage nach Rationierung in unserem Gesundheitssystem. Nach den m.E. zu langen, ausschweifenden Reden der drei Politiker (D. Bahr, FDP; Dr. W. Wodarg, SPD; Dr. R. Koschorrek, CDU) und vier Vertreter des Gesundheitswesens kam er zu dem Resümee, dass Rationierung offen diskutiert werden muss, da sie durch Vorgaben vom Gesundheitsministerium praktiziert wird und ständig praktiziert werden muss (z.B. Budgetierung ist Rationierung u.v.m.).
Diskussionsbeiträge zur flächendeckenden Arztversorgung, zu MVZs, Ausschreibungen von Hilfsmitteln, Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel, Transparenz der Geldströme, usw. wurden von den Politikern häufig ziemlich pauschal beantwortet. z.B. viele Mißstände entstünden eben durch die Mechanismen des Marktes. Dabei leugnet die Politik jedoch, dass die Freigabe des Gesundheitssystems auf dem Markt ja durch die Gesetzgebung verursacht ist, was die Vertreter von KV, Kassen und Krankenhäusern hervorhoben.

Im Gesamtresümee bemängelte Prof. Beske den fast unüberwindbaren Bürokratismus und die gewollte Undurchschaubarkeit dieser Gesetze und Gesetzesvorschriften. Im Grundgesetz steht, dass jedes Gesetz verständlich sein muss, aber davon sind wir meilenweit entfernt.

Wir waren 10 Vertreter von Schulterschluss und outeten uns mit unseren T-Shirts. Während der Diskussion konnten wir mit gut formulierten, gezielten Fragen unsere Initiative präsentieren und bekamen dafür sogar kräftigen Beifall. Im Anschluss wurden unsere Flyer und Gespräche mit uns gerne aufgegriffen.

Erstaunt hat die Aussage der Politiker, dass sich nur ca. 50 der 614 Bundestagsabgeordneten mit Gesundheitspolitik befassen. Es wurde auch zugegeben, dass da Überzeugungsarbeit einzelner Mitglieder nur sehr schwer möglich ist und ein Abgeordneter bestätigte mir anschließend, dass diese Überzeugungsarbeit von den verschiedenen Lobby-Gruppierungen nur im Eigeninteresse geleistet wird.

Rückblickend ist es bedrückend, dass alle Gruppierungen in jeweils ein bis zwei einzelnen Punkten übereinstimmen, niemand jedoch eine zusammenhängende Vision hat, wie unser Gesundheitswesen in transparente und solidarische Bahnen zu lenken ist. Auch wie wir Beitragszahler in Entscheidungsprozesse eingebunden werden können ist noch gar kein Thema. So bleibt zu befürchten, dass immer nur Einzelinteressen verfolgt werden, und das Flickwerk weitergeht. Die "Gesundheitspolitische Agenda 2009" des Fritz-Beske Instituts wurde hier leider nicht diskutiert, obwohl sie vielleicht den einzigen Gesamtansatz zur Verbesserung des Gesundheitssystems darstellt.



Bürger-Patienten-Forum in Travemünde am 18. Juni

Über 100 Bürger-Patienten trafen sich in Travemünde um Erklärungen zu bekommen für die Unzufriedenheit der Ärzte und über einige Regelungen des Honorarsystems. Allgemeinarzt U. von Rath als Initiator begrüßte die Gäste. Der 2. Vorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung Schleswig Holsteins (Dr. R. Ennenbach) und zwei Ärzte beschrieben die Situation z.T. drastisch aus ihrer Sicht, nachdem eine Bürger-Patientin sehr eindrücklich ihre Sorgen über das Gesundheitssystem der Zukunft vorgetragen hatte. Wichtig war allen Teilnehmern, der Unterschied zwischen der öffentlichen Berichterstattung in den Medien, und was man zu hören bekommt, wenn man direkt mit Ärzten, Patienten, und anderen Beteiligten ins Gespräch kommt.
Wir waren aus Kiel mit 4 Personen dabei und haben uns sehr über die regsame Teilnahme der Bürger und auch vieler Ärzte gefreut. Die Travemünder Initiative hat unsere T-Shirts übernommen. Wir hoffen auf eine fruchtbare Zusammenarbeit und weitere "Schulterschlüsse" in Schleswig-Holstein. 
               

2. Kieler Bürger-Patienten-Treff am 11. Juni 2009

Diese Sitzung rief Betroffenheit unter den ca. 60 Anwesenden hervor, da klar wurde, wie wenig wir Einfluss nehmen können auf den Umgang mit unseren Beiträgen zu den gesetzlichen Krankenkassen, und wieviel Geld in zweifelhaften Kanälen versickert.

 Dabei wird das von allen gewollte Solidarsystem immer weiter ausgehöhlt. Wieder wurde uns klar, wie tendenziell verwirrend und einseitig die Medien über diese Vorgänge berichten und wieviel Aktivität jeder Einzelne aufbringen muss, um Einblick in die Vorgänge zu bekommen. Das Gefühl der Hilflosigkeit, das angesichts der Komplexität in einem auftaucht, gilt es zu durchbrechen und an einem Punkt, und sei es bei der persönlichen Betroffenheit zu beginnen, sich gegen den schleichenden Verkauf unseres Gesundheitssystems an Kapitalinvestoren zu wehren. Das, was uns am Ende eines solchen Prozesses erwartet ist ein geradezu menschenverachtender Umgang mit Patienten, die dann nur noch als Wertschöpfungsobjekte herhalten müssen.  
 Daher stand am Ende die Frage im Raum: Was braucht jeder Einzelne um aktiv zu werden? Vielleicht          sollten Seminare angeboten werden, oder kleine Heftchen herausgegeben werden, in denen die Vorgänge knapp aber verstehbar  zusammengefasst werden. Daran wollen wir weiter arbeiten.     

Hier die PowerPoint als PDF

  


1. Kieler Bürger-Patienten-Treff am 14. 5. 2009

Mehr als 60 Interessierte kamen im Restaurant Seeburg zusammen, um den Schulterschluss zwischen Ärzten und Patienten zu üben.

Sabine Petersen beleuchtete in einem lebendigen und engagierten Vortrag, wie immer mehr Elemente der Marktwirtschaft in das eigentlich von Vertrauen geprägte Verhältnis zwischen Arzt und Patient und in alle Bereiche der Medizin einziehen. Das anschließende lebhafte Gespräch war trotz des Engagements aller Beteiligten sehr sachlich. Dabei ging es vor allem um die Klärung verschiedener Zusammenhänge, z.B. was ist ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), was ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) etc. Die ganze Veranstaltung war durchzogen von dem Entschuss, sich nicht zu vereinzeln und spalten zu lassen.  


Es wurden viele Ideen zusammengetragen, wie die Aktion weitergetragen werden kann. Das Regionale Praxisnetz Kiel hat seine Unterstützung angeboten, damit wir als Bürger-Patienten uns eine notwendige Kompetenz in vielen Fragen des Gesundheitssystems erarbeiten können. Es ist klar, nur mit dem Bemühen die Vorgänge im Gesundheitssystem zu verstehen und sich verantwortlich einzubringen, können wir weiterkommen. Es herrschte eine wunderbare Aufbruchstimmung, angefacht und ermutigt durch das Einspielen einer Sequenz von der Massendemonstration im Münchener Olympiastadium, auf der 28.000 Menschen für den Erhalt einer menschlichen Medizin demonstriert haben.  Hier die PowerPoint als PDF
                         Quintessenz:     ES GEHT!!!

Ankündigung in den Kieler Nachrichten am 13. 5. 09